Von Wasserzeichen und Handschellen: Das URZ bat den „Comedy-Hacker“ Tobias Schrödel in die Alte Aula
Am 28. April 2009 um 16 Uhr hielt der „brave Hacker, der die Tricks der bösen kennt“ seinen Vortrag „IT-Security einmal anders“ vor einer voll besetzen Alten Aula: Bei den Studierenden, Mitarbeitern, EDV-Beauftragten und Pressevertretern fand der Vortrag große Resonanz, die Stimmung in der Alten Aula war höchst heiter.
Haben Sie sich schon mal gefragt, wie man in einem Hotelzimmer auf die Schnelle zu einer WLAN-Richtfunkantenne kommt, wie man Preise von Pralinenpackungen in Internetshops zu den eigenen Gunsten verändern kann oder wie sich die Kilometerpauschale in der Reisekostenabrechnung für Ihren Arbeitgeber innerhalb von Minuten vervielfachen lässt? „Etwas kriminelle Energie braucht man schon, um sich für Hacking zu interessieren“, verrät Tobias Schrödel augenzwinkernd. Seine Performance vor dem Publikum war durchweg unterhaltsam, da sie immer dynamisch blieb: So zeigte sich der „Comedy-Hacker“ mal im Anzug, mal in „Original-Hacker-Kleidung“ mit „Braindead“-Shirt und Kappe. Mal referierte er am Laptop, im nächsten Moment baute er eine WLAN-Richtfunk-Antenne oder versuchte, in einer selbst verordneten „Pause“ den High Score eines Internet-Spiels zu knacken. Keine Frage, dass dies letztlich nicht durch Spieltalent, sondern durch einen kurzen Hacking-Kniff funktionierte: „Machen Sie sich bei diesem Spiel wegen des Highscores nicht verrückt“, so Schrödel: „Ich werde immer vor Ihnen stehen.“

Tobias Schrödel in der Alten Aula
Die Kurzweil der Veranstaltung resultierte aus der Mischung von Humor und leiseren Zwischentönen. Kein Ernst, keine Bedrohlichkeit kam auf, ohne dass der Referent sogleich eine humoristische Auflösung des Konflikts geboten hätte. Zwischen den Zeilen aber setzt sich Tobias Schrödel in einer Zeit der fortschreitenden Komplett-Vernetzung für die Freiheit des Einzelnen ein. Wohl den wenigsten Zuhörern war vorher bekannt, dass Drucker geheime Wasserzeichen mitdrucken, die für das Auge unsichtbar sind. „Bei jedem Ausdruck lässt sich die Information extrahieren, wo und von wem er getätigt wurde“, warnt der Referent. In einigen Jahren, so seine Prognose, könne wohl kaum mehr etwas inkognito ausgedruckt werden. Die Tendenz der derzeitigen Entwicklungen macht uns als Nutzer gläsern, nachvollziehbar, am Ende angreifbar. Eine Erkenntnis, die uns heute vielleicht nicht mehr neu ist, die es aber gilt, immer wieder ins Gedächtnis zu rufen. Am Ende öffnet Tobias Schrödel ein paar Handschellen mit einer Haarnadel: Ein Plädoyer für die Freiheit der Privatsphäre des Users.
Nur so lassen sich Passwörter richtig knacken.
Das URZ bedankt sich für das große Interesse an dem Vortrag. Über 500 Zuschauer haben Tobias Schrödel via Internet-Übertragung live mitverfolgt, was uns sehr freut. Sie haben den Vortrag verpasst, sind zu spät gekommen oder möchten ihn noch einmal anschauen? Er ist auf unserem Media-Server zu finden und ist dort jederzeit und öffentlich abrufbar. Übrigens: Ein ausführliches Interview mit Tobias Schrödel finden Sie in der aktuellen Ausgabe unserer neuen URZ-Zeitung „UPDATE“.
Dr. Claudia Duwe, Team Presse und Medien